Flexibilisierungsjahr

Warum ein Flexijahr?

Das Gymnasium Albertinum besuchen Kinder mit einem außerordentlich breit gefächerten Begabungsspektrum. Die Integration musischer und künstlerischer Kreativität mit sprachlichem, natur- und geisteswissenschaftlichem Können sehen wir als besondere Herausforderung an, der wir mit einer konsequent vom einzelnen Kind her gedachten, individuell abgestimmten pädagogischen Gesamtkonzeption begegnen. Stets steht die ganze Schülerpersönlichkeit im Blickfeld: Niemand soll sich allein gelassen fühlen, wenn er in einzelnen Fächern oder einer bestimmten Phase seiner Entwicklung Probleme hat. Deshalb haben wir die vom Kultusministerium im Frühjahr 2013 geschaffene Möglichkeit, ein „Flexibilisierungsjahr“ als individuelle Lernzeit einzuführen, ausdrücklich begrüßt. Ebenso sahen wir es als große Chance, dass die Ausgestaltung der „Individuellen Lernzeit“ dem einzelnen Gymnasium oblag.

Wie sieht das Flexijahr am Albertinum aus?

Konkret sieht das Flexibilisierungsjahr am Albertinum so aus, dass die 8. oder 9. Klasse freiwillig wiederholt werden kann, ohne dass dies auf die Gesamtausbildungsdauer angerechnet wird. Die Stundentafel der zu wiederholenden Jahrgangsstufe wird um 6 Wochenstunden zu Gunsten der Kernfächer Mathematik, Latein und ggf. Englisch gekürzt, wobei – je nach stundenplantechnischer Voraussetzung – Fächer gekürzt werden, deren Streichung für den Lernaufwand der Schüler eine Entlastung darstellen, also etwa Geschichte, Religion oder Biologie. Nicht gekürzt werden sollen Fächer, die einen Ausgleich für die kognitive Belastung der Schüler darstellen, also etwa Kunst oder Sport.

In den zusätzlichen Flexistunden erhalten die Teilnehmer individuelle pädagogische Förderung in Kleingruppen, in denen neben der Vermittlung von allgemeinen Techniken des Wissenserwerbs z.B. auch an der Verbesserung der Konzentrationsleistung oder am besseren Umgang mit Stress- und Prüfungssituationen gearbeitet wird. Auf fachlicher Ebene ist es das Ziel, ausgehend von den Ressourcen der Schüler Schwerpunkte zu setzen und grobe Wissenslücken zu schließen, um damit eine ausreichende Grundlage für den Erfolg in der Oberstufe zu schaffen.

Mathematik im Flexijahr

In je zwei Stunde pro Woche wird der gesamte bisherige Unterrichtsstoff in Mathematik wiederholt. Die Schüler erarbeiten sich in Abschnitten von jeweils fünf bis acht Wochen die Inhalte der einzelnen Jahrgangsstufen (also 5. bis 8. bzw. 9. Klasse), lösen jede Woche ihren Mathe-Zettel, der passende Aufgaben zum jeweiligen Unterrichtsstoff beinhaltet, besprechen diese Aufgaben nach und kontrollieren so, ob sie die Inhalte nicht nur verstanden haben, sondern auch umsetzen können. Der Stoff einer Jahrgangsstufe wird mit einer Flexischulaufgabe abgeschlossen, die einerseits zwar in keine echte Notengebung einfließt, andererseits den Schülern aber eine Rückmeldung über ihren Leistungsstand gibt – sie wird von unseren Schülern sehr ernstgenommen.  

Begleitend zu den mathematischen Inhalten ergibt sich in den Flexistunden in besonderer Weise die Möglichkeit, pädagogische Themen aufzuarbeiten. So kann etwa der Umgang mit Prüfungssituationen (Angstbewältigung, Zeitmanagement, etc.) individuell bearbeitet werden, Impulse zur Organisation der häuslichen Arbeit können das Arbeitsverhalten der Schüler insgesamt verbessern.

Welche Erfahrungen gibt es mit dem Flexijahr?

Die Erfahrungen, die uns am Albertinum zum Flexibilisierungsjahr bislang vorliegen, sind durchweg positiv. Unsere Schüler, und das ist für uns das zentrale Kriterium, erleben in erster Linie das individuelle Lernen in Kleingruppen als nachgerade unbezahlbares Privileg. Sie erfahren dort Zuwendung und Stärkung ihrer Kompetenzen – Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl werden gefestigt. Der Erfolg des Flexijahres hängt allerdings – wie überhaupt der Erfolg am Gymnasium - unmittelbar an der Bereitschaft der Schüler zu arbeiten und sich anzustrengen. Wir beobachten allerdings, dass das Flexijahr eine gute Maßnahme ist, damit Schüler (nach)reifen, ihre Eigenverantwortung begreifen und Erfolg erleben.

Ansprechpartner: OStR‘ Kruppa-Thurisch, StR‘ Mick